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Schloß Neuhäuser Jugendliche beim Kreuzweg am "Point Alpha"

"Jesus geht seinen eigenen Todesstreifen“

-Schloß Neuhäuser Jugendliche beim Kreuzweg am „Point Alpha“

Der Freitag vor Palmsonntag ist seit 55 Jahren der Tag, an dem Jugendliche aller Konfessionen und auch im früher geteilten Deutschland zum Kreuzweg der Jugend eingeladen sind. Jährlich wird dieser mit besonderen Akzenten, Liedern und Gebeten gestaltet, 2013 mit den überlebensgroßen Figuren des Geschehens am Karfreitag, die ein Künstler an der früheren innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Hessen am Point Alpha errichtet hat. Dazu gab es in diesem Jahr auch eine bundesweite Einladung zum zentralen Kreuzweggebet auf eben diesem ehemaligen Todesstreifen mit der Betrachtung dieser großen Figuren. Der Name des früheren US-Beobachtungspostens Point Alpha steht für einen der heißesten Brennpunkte des Kalten Krieges. Dort, wo sich die Panzer der Truppen des Warschauer Paktes und der NATO gegenüberstanden, ist heute der Ort der Erinnerung an den früheren Machtkampf der politischen Systeme in Ost und West.

Am vergangenen Freitag hatten sich 35 junge Leute und ihre Begleiter aus Schloß Neuhaus auf Einladung des katholischen Pastoralverbundes und der evangelischen Kirchengemeinde dazu auf den Weg in die Rhön gemacht. Auf dem Hinweg machten sie in Fulda Station im Dom am Grab des Hl. Bonitatius und bei der Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, bevor sie beim Point Alpha das „Haus auf der Grenze“ und die noch vorhandenen Grenzanlagen erkundeten.

Bei Eiseskälte gingen sie dann betrachtend, betend, singend, nachdenklich und voller Hoffnung zusammen mit rund 600 überwiegend jungen Menschen diesen ganz besonderen Kreuzweg mitten in Deutschland. „Jesus geht seinen eigenen Todesstreifen“ hieß es in den Einführungsgedanken in Erinnerung an diese „Todesstreifen“ genannte Grenze, an der viele Menschen bei dem Versuch von Ost nach West zu fliehen, bis zum Fall des „eisernen Vorhanges“ 1989 ihr Leben ließen. Die dauerhaft dort errichteten monumentalen Figuren erinnern in verschiedenen Zeichen an die früheren Machthaber der DDR – wie der Stahlhelm der DDR-Grenztruppen am Stuhl des Pilatus, der Jesus verurteilt, das Metall des Grenzzaunes als Gewand des Soldaten, der Jesus die Kleider entreißt, oder der Hammer aus dem DDR Staatswappen, mit dem der Nagel bei der Kreuzigung eingeschlagen wird.

Über Wunden“ hieß der Leitgedanke des Weges, der an sieben der vorhandenen Kreuzwegstationen innehielt und einen aktuellen Bezug des biblischen Geschehens zum Leben der Menschen heute herstellte. So wurde die Darstellung der Verurteilung Jesu durch Pilatus von den Jugendlichen in die Mitte genommen u.a. zu diesem Gebet: „Hilf mir zu erkennen, was richtig ist. Lass mich eigenen Entscheidungen fällen. Gib mir Kraft, Widerstand zu leisten, wo er nötig ist.“ Die 2. Station „Jesus nimmt das Kreuz“ machte in dieser Erinnerung Mut, den eigenen Weg zu gehen. An der 4. Station, die daran erinnert, wie Jesus unter dem Kreuz fällt, wurde Gott angerufen: „Wenn ich nicht mehr kann, hilf mir auf. Lass mich die Angst überwinden, zu versagen. Sei du bei mir.“

Bei der Darstellung, wie Jesus der Kleider beraubt wird, beteten die Teilnehmenden bezogen auf ihre Lebenssituation: „Gib mir Mut, aufzustehen, wenn Menschen gedemütigt werden. Gib mir Kraft, selbst stehen zu bleiben, wenn ich gedemütigt werde.“ An der 7. Station „Jesus stirbt am Kreuz“ wurde in der inzwischen starken Dunkelheit daran erinnert, dass Gottes Herz „wie das Herz einer Mutter und eines Vaters für seine Kinder brennt“ und gemeinsam das „Vater unser“ gebetet. Einen beeindruckenden Abschluss bildete der Epilog an der österlichen Darstellung des Weges durch drei geöffnete Tore auf dem „Weg der Hoffnung“. Im Gebet dazu wurde gesprochen: „Durch den Tod gehst du, Herr, um uns in Leben zu führen. Und damit wir im Licht leben, besiegst du selbst, unser Gott, das Dunkel.“

Dieser stark auf das eigene Leben und auf die Tötungen der jüngsten Geschichte bezogene Kreuzweg hat die Schloß Neuhäuser schwer beeindruckt. „Die Figuren sind genial gemacht und zeigen uns eine alte Geschichte, die immer noch existiert,“ sagte Nils bei der Rückfahrt im Bus und Julian ergänzte: „Das war der Hammer. Die gebeteten Texte hielten die Spannung zum Thema, das von der Musik unterstützt wurde. Die Kälte war mir völlig egal – ich wollte immer weitergehen, um die nächste Station zu erleben.“ „Ich bin dankbar dabei gewesen zu sein dort, wo der Kreuzweg der Jugend entstanden ist in Ost und West, und bin noch ganz erfüllt von den erlebten Parallelen 'Jesus damals und Jugendliche heute',“ formulierte Laura, während Eva reflektierte: “Ich habe wichtiges von Jesus erlebt.“ Ein Kreuzweg ganz anderer Art - gegangen mit geschätzten 60.000 jungen Menschen an vielen Orten in ganz Deutschland am letzten Freitag.

 

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